Anthropic nennt im S-1-Antrag fast 900 Milliarden Dollar künftige Verpflichtungen
Das Unternehmen hinter dem Modell Claude hat in einem bei der SEC eingereichten S-1-Registrierungsantrag Verpflichtungen offengelegt, die sich auf knapp 900 Milliarden Dollar belaufen könnten. Die Zahl, über die Crypto Briefing berichtet, verweist auf eine starke Abhängigkeit von wenigen großen Technologieanbietern, während das Unternehmen einen Börsengang an der Nasdaq vorbereitet.
Aufbau der Verpflichtungen
Der Antrag legt Zahlungsverpflichtungen für Server, Rechenzentren, Gebäude und Strom mit Laufzeiten von einem bis 20 Jahren offen. Die meisten davon sind weitgehend unkündbar, die Zahlungen fallen also an, egal wie sich die Nachfrage nach KI entwickelt.
Die Summe ist in Schichten aufgebaut. Rund 417 Milliarden Dollar entsprechen festen Mindestzahlungen für Recheninfrastruktur, Rechenzentren und Leasingverträge. Darüber hinaus veranschlagt der Antrag weitere 125 bis 150 Milliarden Dollar an Kapazitätskosten für 2028 bis 2031, die jedoch als erwartete Kosten und nicht als festgelegte Mindestbeträge beschrieben werden.
Konzentration auf wenige Partner
Die größten namentlich genannten Gegenparteien sind Broadcom mit 161 Milliarden Dollar, Google mit 114,5 Milliarden Dollar, Amazon mit 110 Milliarden Dollar und Microsoft mit 45 Milliarden Dollar, jeweils zu unterschiedlichen Konditionen. Auch SpaceX/xAI taucht unter den wichtigsten Partnern auf. Allein diese vier genannten Verpflichtungen ergeben zusammen weit über 400 Milliarden Dollar.
Der Antrag selbst benennt diese Konzentration und räumt ein, dass Anthropic beim Wachstum stark auf eine kleine Zahl von Anbietern angewiesen ist. Den Ansatz bei diesen Verträgen beschreibt das Unternehmen als "bold but sane" und räumt ein, dass seine Verpflichtungen in der Branche als unverantwortlich groß gelten könnten.
Umsatzwachstum neben großem Verlust
Anthropic meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz von 16,3 Milliarden Dollar, nach 1,16 Milliarden Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres, ein Anstieg von rund 1.300 Prozent. Im selben Halbjahr verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar.
Laut Antrag stammt der größte Teil dieses Verlusts aus nicht zahlungswirksamen Buchungen, also aus Aufwendungen, die in dieser Periode erfasst wurden, ohne dass Geld das Unternehmen verlassen hat.
Geplanter Börsengang an der Nasdaq
Anthropic plant eine Notierung an der Nasdaq unter dem Kürzel ANT. Die mögliche Bewertung wird auf 1,5 bis 2 Billionen Dollar geschätzt, gestützt auf erhebliche Investitionen großer Technologieunternehmen. Der Bericht beschreibt die Geschäftsstrukturen zwischen diesen Unternehmen als ungewöhnliches Geflecht von Beziehungen.
Offene Fragen
- Wie viel der für 2028 bis 2031 erwarteten Kapazitätskosten wird verbindlich?
- Könnte ein Umsatzrückgang es erschweren, die unkündbaren Zahlungen zu leisten?