Binance: ADL kann profitablen Bitcoin-Hedge trotz gedeckter Kundenbestände kürzen
Binances jüngstes Reserve-Update besagt, dass Kunden-Bitcoin zu einem datierten Stichtag gedeckt ist. Eine profitable Bitcoin-Futures-Absicherung kann nach den Auto-Deleveraging-Regeln der Börse dennoch gekürzt werden. Die Darstellung stammt von CryptoSlate, die Erläuterung der Regeln von Binance selbst.
Was das Reserve-Update bestätigt
Laut Bericht erklärte Binance, Inhaber von zehn genannten Token, darunter Bitcoin, könnten die Deckung von mindestens 1:1 für den Stichtag 00:00 UTC am 31. Oktober prüfen. Die Börse stellte dies als Abschluss eines früheren Nachweis-Updates dar.
Binance teilte außerdem mit, dass einige Futures-Versicherungsreserven geholfen hätten, bei seinem Sicherheitsvorfall abhandengekommene Vermögenswerte zu ersetzen. Freigegeben habe man nur den Betrag oberhalb des erforderlichen Deckungsniveaus, und die verbleibenden Mittel hätten diese Anforderung weiterhin übertroffen.
Warum ein gewinnbringender Hedge gekürzt werden kann
Eine Futures-Absicherung unterliegt einer eigenen Prüfung. Die Regeln der Börse erlauben Auto-Deleveraging, kurz ADL, mit dem eine profitable Short-Position, die einen Bestand ausgleicht, reduziert werden kann. Nach den Prioritätsregeln können gegenläufige profitable Positionen ausgewählt werden, wenn der Versicherungsfonds eine zahlungsunfähige Position nicht übernehmen kann. Ein Trade kann also im Kurs gewinnen und dennoch zur Kürzung gewählt werden.
Berechtigte Delta-Neutral-Konten erhalten laut Bericht eine niedrigere Warteschlangenpriorität, aber keine Immunität.
Binance trennt seine Futures-Versicherungsfonds von Nutzervermögen. Dabei handelt es sich um eigene Reserven, die außerhalb der Proof-of-Reserves-Ansicht liegen, die Nutzer prüfen können. Die Börse erklärt, sie überwache diese Fonds anhand von Stressszenarien und füge bei Bedarf Unternehmensmittel hinzu.
Kapazitätsgrenzen, nicht Nullstände, lösen ADL aus
Die Richtlinien zum Versicherungsfonds definieren laut Bericht eine maximale Übernahmekapazität. Sie begrenzt den Nominalwert zahlungsunfähiger Positionen, die ein Fonds auf einmal aufnehmen kann. Sie ist ein Vielfaches des aktuellen Fondsstands, der Multiplikator bleibt vertraulich. ADL kann greifen, wenn diese Kapazität erreicht ist oder wenn nicht realisierte Verluste übernommener Positionen das relevante verfügbare Guthaben übersteigen.
Die Mitteilung zur Umschichtung legt weder den freigegebenen Betrag noch den verfügbaren Spielraum je Kontrakt offen. Auch eine höhere ADL-Wahrscheinlichkeit lasse sich daraus nicht ableiten, heißt es im Bericht.
Beispielhafte Wirkung auf einen abgesicherten Trader
In einem rein hypothetischen Fall hält ein Trader 1 BTC sowie einen linearen Futures-Short über 1 BTC, der ins Plus gelaufen ist. Kürzt ADL den Short auf 0,5 BTC, bleibt nur die Hälfte des Bestands abgesichert, und es verbleibt eine Netto-Long-Position von 0,5 BTC. Ein weiterer angenommener Kursrückgang von 10.000 Dollar je BTC würde diese Restposition 5.000 Dollar kosten. Dabei wird unterstellt, dass Spot und Futures gleich laufen, die Mengen unverändert bleiben und kein Ersatz-Hedge hinzukommt.
Offene Fragen
- Wie viel der freigegebenen Futures-Versicherungsreserven umgeschichtet wurde und wie viel Spielraum je Kontrakt verbleibt?
- Wäre eine solche Kürzung eines Hedges unter den aktuellen kontraktspezifischen Grenzen in der Praxis möglich?